Postkarte 5: Tadeusz Czerniak

»Wir waren kaserniert in Holzbaracken, jeweils 18 Personen in einem Saal. An jedem Samstag bekam einer der Kameraden einen Passierschein für die Stadt. Aber diese Stadtgänge waren gefährlich, denn die deutsche Jugend veranstaltete manchmal Spielereien, und wenn ein Pole auf dem Fußweg ging, wurde er mit Fäusten auf die Fahrbahn getrieben, von wo ihn wieder die Gendarmen auf den Fußweg jagten.«

Quelle: Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, Warschau

Tadeusz Czerniak 1941, polnischer Zwangsarbeiter in Brandenburg

Der 1919 in Smulsko bei Łódź geborene Tadeusz machte seine Erfahrungen ab April 1940 in einem Rüstungsbetrieb in Eberswalde. Sein Privatfoto vermittelt auf den ersten Blick das Bild einer ungestörten und selbstbestimmten Freizeit, selbst wenn, wie hier, der Zaun des Zwangsarbeiterlagers im Hintergrund zu erkennen ist. Doch der Kommentar von Tadeusz Czerniak zeigt, dass die Wirklichkeit anders aussah. Jederzeit war es möglich, dass die friedliche Atmosphäre umschlug, denn jeder Deutsche konnte seine Stimmung an den rechtlosen polnischen Zwangsarbeitern auslassen, ohne Sanktionen fürchten zu müssen. So waren auch die arbeitsfreien Stunden nicht unbeschwert, konnten keine Flucht vor den Bedrückungen von Lager und Arbeitsalltag sein.