»Fotografie aus dem Dorf Staden. Trotz der kleinen Einkünfte mochten es die Deutschen, Geldstrafen zu erteilen. Für diese Fotografie mussten wir jeweils 12 Mark Strafe für das Fehlen des Buchstabens P zahlen.«

Quelle: Instytut Zachodni w Poznaniu

Postkarte 2: Józef Andrzejewski

»Fotografie aus dem Dorf Staden. Trotz der kleinen Einkünfte mochten es die Deutschen, Geldstrafen zu erteilen. Für diese Fotografie mussten wir jeweils 12 Mark Strafe für das Fehlen des Buchstabens P zahlen.«

Quelle: Instytut Zachodni w Poznaniu

Józef Andrzejewski um 1942, polnischer Zwangsarbeiter in Hessen

Józef Andrzejewski kam als polnischer Kriegsgefangener nach Deutschland. Zunächst wurde er als Kriegsgefangener in einem Stammlager (Stalag) interniert. Nach kurzer Zeit wurde er – wie fast alle polnischen Kriegsgefangenen – in den Status des Zivilarbeiters überführt. Damit unterlag er den restriktiven Sonderrechten der sogenannten Polen-Erlasse vom März 1940. In ihnen wurde die Kennzeichnung der polnischen Arbeitskräfte vorgeschrieben. Die Polen sollten nicht mehr wie traditionelle Saisonarbeiter mit gesetzlich verbrieften Rechten und Pflichten behandelt werden, sondern als gefährliche Feinde, zu denen möglichst große Distanz zu halten war. Neben der Pflicht zur Kennzeichnung gab es eine ganze Reihe weiterer Sondervorschriften, mit denen polnische Zwangsarbeiter diskriminiert wurden. Sie betrafen alle grundlegenden Lebensbereiche wie Ernährung, Unterbringung oder Religionsausübung. Auch die spärliche arbeitsfreie Zeit wurde durch die sogenannten Polen-Erlasse vom März 1940 reglementiert.

Józef Andrzejewski musste bei einem Bauern im hessischen Dorf Staden, in der Nähe von Frankfurt am Main, arbeiten. Das Foto zeigt ihn mit Landsleuten vor dem Büro des Bürgermeisters von Staden. Alle auf dem Foto mussten jeweils zwölf Mark Strafe dafür zahlen, dass sie sich nicht mit dem Buchstaben „P“ kenntlich gemacht hatten. Diese Geldstrafe entsprach seinem halben Monatslohn.