»Zur Erinnerung meinem hochgeschätzten Mamilein sendet dir deine lebende Tochter Zosia« schreibt Zofia Fuhrman am 12. Juli 1943 an ihre Mutter.

Quelle: Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, Warschau

Zofia Fuhrman mit Freundinnen im Lager.

Quelle: Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, Warschau

Für ihren Antrag auf Entschädigung hat sich Zofia Fuhrman markiert.

Quelle: Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, Warschau

Postkarte 1: Zofia Fuhrmann

»Zur Erinnerung an die Zeit der Zwangsarbeit in der Fremde schick ich das meiner teuren Mami. Ludwigsdorf, 19.11.1943«

Quelle: Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, Warschau

Zofia Fuhrmann (links) 1943, polnische Zwangsarbeiterin in Niederschlesien

Zofia Fuhrman, geb. Wypeklo, schickte ihrer Mutter im November 1943 ein Lebenszeichen aus der Zwangsarbeit. Die 1921 im polnischen Tomaszewo (ca. 50 km östlich von Poznań) geborene junge Frau war 1942 zur Zwangsarbeit nach Ludwigsdorf in Niederschlesien (heute: Ludwikowice Kłodzkie) verschleppt worden. Die beiden Orte liegen nur 300 km auseinander. Aber für die 20jährige Zofia war es eine fremde Welt: Zwangsarbeit in einer deutschen Munitionsfabrik in unmittelbarer Nähe zu einem Außenlager des KZ Groß-Rosen.

Von Zofia Fuhrmann sind keine Aufzeichnungen über ihre Zeit als Zwangsarbeiterin überliefert, doch ihre Karte ist wie ein Mosaikstein, dessen Kontext man erschließen kann: dieses und ähnliche Schreiben an die Mutter und den Vater, die verpflichtete öffentliche Stigmatisierung durch das „P“-Zeichen, das Wissen um die schwere und gesundheitsgefährdende Arbeit bei der Munitionsherstellung und um die prekären Bedingungen in den Lagern. Halt und Unterstützung fand Zofia Fuhrmann aber bei ihren Freundinnen aus dem Lager, mit denen sie sich auch gemeinsam fotografieren ließ.

Zofia Fuhrmann besaß keinen eigenen Fotoapparat. Die überlieferten Fotos ließ sie offenbar in einem Fotostudio anfertigen. Die angesichts der geringen Entlohnung für die ausländischen Männer und Frauen überaus teuren Fotos waren eine sichere Einnahmequelle für deutsche Fotostudios.