U-Bahn: Seitenflächen

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»Das Verlassen des Aufenthaltsortes ist streng verboten.«

Pflichten der Zivilarbeiter und -arbeiterinnen polnischen Volkstums während ihres Aufenthaltes im Reich, 1941.

Quelle: Niederösterreichisches Landesarchiv

»Jeder gesellige Verkehr mit der deutschen Bevölkerung [...] ist verboten.«

Pflichten der Zivilarbeiter und -arbeiterinnen polnischen Volkstums während ihres Aufenthaltes im Reich, 1941.

Quelle: Niederösterreichisches Landesarchiv

»Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass die Ausländer nur zur Arbeitleistung und nicht zum Vergnügen in das Reichsgebiet hereingeholt wurden und sich eben den kriegsbedingten Einschränkungen unterzuordnen haben. Ausflugs-, Besuchs- und Vergnügungsreisen sind nicht zuzulassen.«

Quelle: Anordnung des Münchner Polizeipräsidenten vom 24.4.1944, Staatsarchiv München, Archiv OPD München, zit. nach: Andreas Heusler, Ausländereinsatz. Zwangsarbeit für die Münchner Kriegswirtschaft 1939–1945, München 1996, S. 260

»Wo sie zu Fuss gehen können, haben sie die notwendige Strecke zu Fuss zurückzulegen.«

Schreiben des Sicherheitsdienstes des Reichführers-SS an alle SD-(Haupt)Stellen betreffs Reisetätigkeit der fremdvölkischen Arbeitskräfte, Koblenz 1943.

Quelle: Landesarchiv Koblenz

»Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel [...] ist nur mit besonderer Erlaubnis der Ortspolizeibehörde gestattet.«

Pflichten der Zivilarbeiter und -arbeiterinnen polnischen Volkstums während ihres Aufenthaltes im Reich, 1941.

Quelle: Niederösterreichisches Landesarchiv

»Bei starkem Andrang an einer Haltestelle haben die deutschen Fahrgäste Anspruch auf bevorzugte Mitnahme, jedoch ist ein nachträgliches Ausschließen von der Fahrt zu Gunsten unterwegs einsteigender Fahrgäste aus sicherheitspolizeilichen Gründen nicht gestattet.«

Quelle: Bekanntmachung der Rheinischen Bahngesellschaft Nr. 88, zit. nach: Clemens von Looz-Corswarem (Hg.), Zwangsarbeit in Düsseldorf. „Ausländereinsatz“ während des Zweiten Weltkrieges in einer rheinischen Großstadt, Essen 2002, S. 393

»Aus Anlaß eines Sondererlasses müssen wir darauf hinweisen, daß diese Zivilpersonen sofort etwa eingenommene Sitzplätze zu räumen haben, wenn deutsche Volksgenossen stehen müssen.«

Quelle: Bekanntmachung der Rheinischen Bahngesellschaft Nr. 13, zit. nach: Clemens von Looz-Corswarem (Hg.), Zwangsarbeit in Düsseldorf. „Ausländereinsatz“ während des Zweiten Weltkrieges in einer rheinischen Großstadt, Essen 2002, S. 391

Regeln für die Zwangsarbeit

Die Nationalsozialisten fürchteten die Anwesenheit von Ausländern im Deutschen Reich als Gefahr für die Sicherheit und die rassische „Reinheit“ der Deutschen. Um diese vermeintlichen Gefahren einzuschränken, erließen der NS-Sicherheitsapparat und die Arbeitsverwaltung schon ab 1940 scharfe Aufenthalts- und Verhaltensregeln für die ausländischen Arbeitskräfte. Dazu zählten die „Polenerlasse“ von Februar 1940, die bereits wichtige Bestimmungen enthielten, die 1942 in den „Ostarbeitererlassen“ verschärft wurden. Mit ihnen wurde rassistische Ideologie in konkretes Handeln umgesetzt.

Bald reglementierte eine unübersichtliche Vielfalt von Bestimmungen alle Lebensbereiche der Zwangsarbeiter. Der nationalsozialistischen Rassenideologie entsprechend galten je nach Herkunft der Zwangsarbeiter unterschiedliche Regeln. Am schärfsten waren die Bestimmungen für Zwangsarbeiter aus Polen und der Sowjetunion.

Für die Öffentliche Intervention der Ausstellung Zwangsarbeit werden einige der Regeln, die die Mobilität der Zwangsarbeiter unterbinden sollten, dort gezeigt, wo sie im damaligen Alltag des Nationalsozialismus gegolten hätten: in Berlin zum Beispiel in der U-Bahn.

Hierarchie und Regelwerk

Die im Deutschen Reich eingesetzten Zwangsarbeiter wurden in eine rassistische Hierarchie gepresst. Ganz oben standen „arische“ Deutsche als Herrenmenschen, ihnen folgten Menschen aus Nord- und Westeuropa. Am Ende der Stufenleiter befanden sich Polen, sowjetische Arbeitskräfte („Ostarbeiter“) und schließlich Juden, Sinti und Roma. Rigide Bestimmungen sollten enge Kontakte zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern verhindern. Polen, „Ostarbeiter“ und Juden mussten Kennzeichen an der Kleidung tragen. Sie durften sich nicht frei bewegen und waren von drakonischen Strafen bedroht.

Zuständig für die zahllosen Erlasse war das Reichssicherheitshauptamt. Es sah in der Anwesenheit der vielen Ausländer vor allem „volkstumspolitische“ Gefahren für die deutsche „Blutsgemeinschaft“.