Öffentliche Intervention

Die Ausstellung legt ihren Schwerpunkt darauf, wie die Zwangsarbeit den Alltag im Nationalsozialismus bestimmte. Überall wurden Zwangsarbeiter eingesetzt. Jeder Deutsche begegnete ihnen – ob an der Werkbank, bei der Feldarbeit oder auf der Straße. Deshalb geht die Ausstellung auch in den Alltag von heute: in die Kneipen Berlins, in die U-Bahn der Hauptstadt.

In Berliner U-Bahnhöfen: Großflächenplakate (Foto: Anke Heelemann, 2010).

Auszüge aus Verordnungen, denen Zwangsarbeiter durch die Nationalsozialisten unterworfen wurden (Foto: Anke Heelemann, 2010).

Seitenflächen in den U-Bahnen (Foto: Anke Heelemann, 2010).

Ehemals zensierte Postkarten von Zwangsarbeitern an ihre sich sorgenden Angehörigen (Foto: Anke Heelemann, 2010).

Die Plakate zeigen Fotos ehemaliger Zwangsarbeiter, auf denen sie ihre Situation selbst beschreiben (Foto: Anke Heelemann, 2010).

Großflächenplakate in Berliner U-Bahnhöfen (Foto: Anke Heelemann, 2010).

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Die Einführung zur Öffentlichen Intervention in Berlin können Sie hier herunterladen.

Öffentliche Intervention

Das Verhältnis der Deutschen zu den Zwangsarbeitern wurde durch den nationalsozialistischen Rassismus geprägt. In der rassistischen Hierarchie standen „arische“ Deutsche als „Herrenmenschen“ ganz oben, ihnen folgten Menschen aus Nord- und Westeuropa. Am Ende der Stufenleiter befanden sich Polen, sowjetische Arbeitskräfte („Ostarbeiter“) und schließlich Juden, Sinti und Roma.

Obwohl – bzw. gerade weil – die Zwangsarbeit wie kein zweites Verbrechen des Nationalsozialismus den Alltag im Deutschen Reich bestimmt hatte, fand bis in die 1990er Jahre kaum eine Auseinandersetzung darüber statt.

Die Öffentliche Intervention zur Ausstellung Zwangsarbeit versucht die Menschen, die als Zwangsarbeiter in das Deutsche Reich verschleppt wurden, im öffentlichen Raum sichtbar werden zu lassen: Neben den zahllosen Regeln, die deutlich machen, welchem rassistischen Regime die Zwangsarbeiter im Alltag unterworfen wurden, werden für die Öffentliche Intervention vor allem historische Fotos verwendet – Fotos, die die Zwangsarbeiter selbst voneinander während ihres Aufenthaltes im Deutschen Reich gemacht haben. Sie zeigen die aus allen Teilen Europas verschleppten Menschen als selbstbewusste Individuen, die in dem Unrecht, in das sie geworfen wurden, ihre Identität und Würde zu bewahren versuchten. Die zensierten Postkarten, die sie an ihre sich sorgenden Angehörigen sandten, um zu zeigen, dass es ihnen – den Umständen entsprechend – gut gehe, werden kombiniert mit späteren Erinnerungsberichten. Diese Kommentare kontextualisieren die scheinbar harmlosen Fotos. Sie machen deutlich, unter welchen Bedingungen die Zwangsarbeiter im Deutschen Reich zu leiden hatten. Die Fotos, die in der Öffentlichen Intervention in den U-Bahnhöfen präsentiert werden, brauchen allerdings keinen nachträglichen Kommentar mehr. Auf ihnen beschreiben die Zwangsarbeiter ihre Situation selbst: Sie sind „Sklaven des 20. Jahrhunderts“, „ohne Liebe“ oder einfach nur „jene, die sie nicht kriegen werden Weihnachten 1944“.

Entwickelt und umgesetzt wurde die Öffentliche Intervention von der Weimarer Künstlerin Anke Heelemann.