Ghetto Litzmannstadt (Łódź):

Verlorener Kampf ums Überleben

Tischlerwerkstatt, Frühjahr 1942.

Die Fotos von den Werkstätten sollten die Effizienz der Produktion im Ghetto Litzmannstadt belegen. Auf manchen ist jedoch der schlechte gesundheitliche Zustand der Ghettoinsassen deutlich zu erkennen.

Foto: Mendel Grosman / Henryk Ross; Quelle: Archiwum Państwowe w Łodzi (Przełożony Starszeństwa Żydów w Getcie Łódzkim 1115, 63_2113_8)

Schusterwerkstatt, 1942.

Als Lehrlinge in die „kriegswichtige“ Produktion des Ghettos eingegliedert, konnten Kinder über zehn Jahren zunächst vor der Deportation ins Vernichtungslager geschützt werden.

Foto: Mendel Grosman / Henryk Ross; Quelle: Archiwum Państwowe w Łodzi (Przełożony Starszeństwa Żydów w Getcie Łódzkim 1110, 54_1808_03)

Essensausgabe, 1942.

Obwohl die Werkstätten des Ghettos Litzmannstadt für die Wehrmacht arbeiteten, lieferten die Deutschen nicht genug Nahrung in das Ghetto. Auch nach der Einführung öffentlicher Küchen verhungerten täglich Menschen.

Foto: Mendel Grosman / Henryk Ross; Quelle: Archiwum Państwowe w Łodzi (Przełożony Starszeństwa Żydów w Getcie Łódzkim 1117, 19_556_9)

Album der Textilabteilung im Ghetto Litzmannstadt, 1942.

Quelle: Zbiór ikonograficzny Archiwum Państwowego w Łodzi (1866-1970 A 264)

Album der Textilabteilung im Ghetto Litzmannstadt, 1942.

Quelle: Zbiór ikonograficzny Archiwum Państwowego w Łodzi (1866-1970 A 264)

Album der Textilabteilung im Ghetto Litzmannstadt, 1942.

Aufzählung der Textilien, die für den Reichsarbeitsdienst angefertigt wurden.

Quelle: Zbiór ikonograficzny Archiwum Państwowego w Łodzi (1866-1970 A 264)

Ilona Winograd (links) im Ghetto, um 1943.

Ilona Winograd gehörte zu 226 Kindern, die nicht deportiert wurden, da ihre Eltern für die Ghettoverwaltung arbeiteten. Ilona und ihre Eltern überlebten.

Quelle: Ilona Barkal Winograd / United States Holocaust Memorial Museum, Washington

Namensschild „Gehsperre“, September 1942.

Während der „Gehsperre“ mussten Kinder unter zehn Jahren ein Schild mit Namen und Geburtsdatum um den Hals tragen.

Quelle: Ilona Barkal Winograd / United States Holocaust Memorial Museum, Washington

Ghetto Litzmannstadt (Łódź): Verlorener Kampf ums Überleben

Die Frauen, Männer und Kinder arbeiteten bis zur völligen Erschöpfung in den Ghettowerkstätten. Chaim Rumkowski, der von Stadtkomissar Albert Leister eingesetzte Vorsitzende der jüdischen Verwaltung, hatte sie aufbauen lassen. Mit Aufträgen der Wehrmacht versuchte er, die Arbeiter der Werkstätten für die Besatzer unentbehrlich zu machen, um zumindest einige der Ghettoinsassen zu retten.

Doch die städtische Ghettoverwaltung unter Hans Biebow lieferte zu wenig Lebensmittel. So starb ein Viertel der 200 000 Menschen im Ghetto Litzmannstadt an Hunger und Krankheiten. Zudem ließ die SS Kranke, Kinder unter zehn Jahren und ältere Menschen als „nicht arbeitsfähig“ in das Vernichtungslager Kulmhof deportieren. Im Sommer 1944 ordnete SS-Chef Himmler die Deportation der noch lebenden Ghettoinsassen nach Auschwitz an. Damit scheiterte die Strategie der Rettung durch Arbeit endgültig.

Deportationen in das Vernichtungslager Kulmhof

Die Ghettoinsassen fürchteten die „Aussiedlungen“, weil sich im Ghetto herumsprach, dass sich dahinter Deportationen in Vernichtungslager verbargen.

Bei der größten Deportation, der „Gehsperre“ im September 1942, durften die Ghettobewohner tagelang ihre Wohnungen nicht verlassen. Kinder unter zehn Jahren mussten ein Schild mit Namen und Geburtsdatum tragen. 20 000 Menschen, darunter fast alle Kinder, wurden als „nicht arbeitsfähig“ nach Kulmhof deportiert.

Die SS ermordete dort zwischen 1942 und 1944 fast 78 000 Juden und über 3 000 Sinti und Roma aus dem Ghetto Litzmannstadt.

Audio

Fela M. berichtet von der Deportation ihrer zweijährigen Tochter. Interview aus dem Jahre 1992.

Quelle: Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies, Yale University Library

Arnold M., der Arzt im Ghetto war, erzählt wie die Ghettoinsassen aus Angst nicht mehr zum Arzt gingen, weil Kranke deportiert wurden. Interview aus dem Jahre 1994.

Quelle: Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies, Yale University Library