„Verbotener Umgang“

Ständige Bewachung, 1941.

Die französischen Kriegsgefangenen Nobile Citerneschi und François Santini arbeiteten am Hof von Marie Renner.

Foto: Franz Gabriel; Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Ständige Bewachung, 1941.

Zwei Soldaten der Wehrmacht bewachten sie. Da die Soldaten an der Front benötigt wurden, übertrug man später die Bewachung an die Landwirte.

Foto: Franz Gabriel; Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Verbotene Erinnerungsfotos, 1941.

Die Aufgabe der Bewacher Walter Pakosta und Franz Gabriel bestand in der Verhinderung enger Kontakte zwischen den österreichischen Arbeitenden und den französischen Gefangenen.

Foto: Franz Gabriel / Walter Pakosta; Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Verbotene Erinnerungsfotos, 1941.

Die von den Bewachern gemachten Fotos waren jedoch der Auslöser für eine vermutete Beziehung zwischen Nobile Citerneschi und Marie Renner.

Foto: Franz Gabriel / Walter Pakosta; Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Die „Tatgeschichte“, 7. Mai 1941.

Der Gendarm von Atzenbrugg (Niederösterreich) musste aufgrund einer Anzeige den Fall von Marie Renner untersuchen. Nach einer zweimonatigen Untersuchung wurde das „Verschulden“ von Marie Renner als gering befunden.

Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Erfassung der Fotos, 1941.

Für das Sondergerichtsverfahren gegen Marie Renner wurden die auf den einzelnen Fotos Abgebildeten vermerkt. Insgesamt wurden Nobile Citerneschi sechs Fotos abgenommen. Das Kriegsgerichtsurteil gegen ihn ist nicht überliefert.

Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Kommunikation

Die Verständigung zwischen den Deutschen und den Ausländern sollte auf ein Minimum reduziert sein. Die für die Arbeit und den Alltag wichtigsten Formulierungen konnten Bilder-Wörterbüchern entnommen werden. Die Wörterbücher für „Ostarbeiter“ wurden von den Behörden für die Zwangsarbeit neu verfasst. Ihre Wortwahl verdeutlicht den propagierten Umgang mit den sowjetischen Arbeitskräften.

Quelle: Internationale Gesellschaft MEMORIAL Moskau

Pflichten polnischer Zwangsarbeiter, 1940.

Osteuropäische Zwangsarbeiter waren rechtlos. Über ihre Pflichten wurden sie mündlich informiert. In vielen Fällen mussten die Ausländer mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie über ihre Pflichten belehrt worden waren.

Quelle: Niederösterreichisches Landesarchiv

„Verbotener Umgang“

Einheimische Landarbeiter, ein Wehrmachtssoldat und ein Kriegsgefangener gemeinsam auf einem Bild – dies erregte den Argwohn der NS-Behörden, zumal der Franzose Nobile Citerneschi die Fotos 1941 von seiner ehemaligen Arbeitgeberin erhalten hatte. Citerneschi kam vor ein Kriegsgericht; gegen die Frau erhob ein Sondergericht Anklage.

Zwar löste der Verdacht einer sexuellen Beziehung zwischen den beiden die Untersuchung aus. Aber auch sehr viel geringere „Vergehen“ – wie das Zustecken von Butterbroten und Zigaretten oder einfach nur Gespräche – wurden von den Behörden als „verbotener Umgang“ verfolgt. Dabei spielten Denunziationen aus der Bevölkerung eine wichtige Rolle. Leidtragende waren die Zwangsarbeiter, die häufig auf das Schärfste bestraft wurden.

Hierarchie und Regelwerk

Die im Deutschen Reich eingesetzten Zwangsarbeiter wurden in eine rassistische Hierarchie gepresst. Ganz oben standen „arische“ Deutsche als Herrenmenschen, ihnen folgten Menschen aus Nord- und Westeuropa. Am Ende der Stufenleiter befanden sich Polen, sowjetische Arbeitskräfte („Ostarbeiter“) und schließlich Juden, Sinti und Roma. Rigide Bestimmungen sollten enge Kontakte zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern verhindern. Polen, „Ostarbeiter“ und Juden mussten Kennzeichen an der Kleidung tragen. Sie durften sich nicht frei bewegen und waren von drakonischen Strafen bedroht.

Zuständig für die zahllosen Erlasse war das Reichssicherheitshauptamt. Es sah in der Anwesenheit der vielen Ausländer vor allem „volkstumspolitische“ Gefahren für die deutsche „Blutsgemeinschaft“.

Audio

François Armand Aimé Caux über die Einsamkeit auf dem Bauernhof.

Videointerview 2001 (eingesprochen, 02:00 min.)

Quelle: Privatarchiv Hornung / Langthaler / Schweitzer

Antoni Bryliński über das Verhalten der Deutschen.

Schriftliche Erinnerungen 1976 (eingesprochen, 01:45 min.)

Quelle: Antoni Bryliński, Rehfelde, in: Z Literą „P“, Poznań 1976, S. 68–78

Helene Pawlik über ihr Aufbegehren gegen den Bauern.

Videointerview 2001 (eingesprochen, 01:15 min.)

Quelle: Privatarchiv Hornung / Langthaler / Schweitzer