München: Der Kosmos der Lager in einer deutschen Großstadt

Ukrainer im Deutschen Museum München, 1944.

Die ukrainischen Männer, Frauen und Kinder waren gemeinsam im Bibliothekssaal untergebracht.

Quelle: Deutsches Museum, München

Lager im Deutschen Museum München, 1944.

Alle Altersgruppen wurden im gleichen Saal untergebracht, von Kleinkindern über Jugendliche und Erwachsene bis zu alten Menschen. Zu essen gab es eine Schüssel dünne Suppe.

Quelle: Deutsches Museum, München

Lager im Deutschen Museum München, 1944.

Die gesamte arbeitsfreie Zeit spielte sich in diesem kargen Raum ab.

Quelle: Deutsches Museum, München

Protestschreiben von Tschechen, Februar 1944.

63 bei der Reichspost eingesetzte und im Augustinerkeller untergebrachte Tschechen beschwerten sich schriftlich bei ihrem Arbeitgeber über die Bedingungen im Lager.

Quelle: Staatsarchiv München

München: Der Kosmos der Lager in einer deutschen Großstadt

Seit März 1944 wurden ukrainische Familien im ehemaligen Bibliothekssaal des Deutschen Museums in München untergebracht. Vier deutsche Männer bewachten sie. Die Ukrainer mussten für die Stadtverwaltung arbeiten.

Die Unterkünfte waren – je nach Herkunft und Kategorie der Zwangsarbeiter – sehr unterschiedlich. Die Spannweite reichte von Privatquartieren über Sammelunterkünfte in Baracken und Sälen bis zu improvisierten Lagern in Fabrikhallen oder Scheunen. Am schlechtesten waren die Unterkunftsbedingungen für Arbeitskräfte aus Osteuropa und KZ-Häftlinge. Vor allem in den ungeschützten großen Barackenlagern starben viele Zwangsarbeiter bei alliierten Luftangriffen.

Die vielen Lager überzogen München – wie jede andere deutsche Stadt – mit einem engmaschigen Netz. Sie waren unübersehbar und gehörten zum Alltag der deutschen Bevölkerung.

Dimensionen der Zwangsarbeit

Von 1939 bis 1945 mussten im Deutschen Reich und den von ihm annektierten Gebieten („Großdeutsches Reich“) insgesamt etwa 13 Millionen Menschen Zwangsarbeit leisten. Davon waren etwa 4,6 Millionen Kriegsgefangene. Die Zwangsarbeiter kamen aus allen von der Wehrmacht besetzten Ländern, vor allem aus der Sowjetunion, Polen und Frankreich.

Die Zwangsarbeiter wurden vor allem in der Landwirtschaft, der Rüstungsindustrie, dem Bergbau und im Bauwesen eingesetzt. Gegen Ende des Krieges stellten sie fast die Hälfte der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, ein Drittel in der Rüstungsindustrie und im Bauwesen sowie ein Viertel im Bergbau. Aber auch in privaten Haushalten und im Handwerk gehörten sie zum Alltag.

Etwa zweieinhalb Millionen Menschen, vor allem sowjetische Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus allen Teilen Europas, haben die Zwangsarbeit im Deutschen Reich nicht überlebt.

Münchens Lagerkosmos

Audio

Wera Iosifowna Wolk über die hygienischen Bedingungen im Lager.

Videointerview 2005 (eingesprochen, 02:00 min.)

Quelle: Digitales Archiv „Zwangsarbeit 1939 – 1945“

Maria Andrzejewska, geb. Kawecka über die Situation in einem Zwangsarbeiterlager.

Schriftlicher Erinnerungsbericht 1997 (eingesprochen, 01:45 min.)

Quelle: Berliner Geschichtswerkstatt e.V.