Grabkreuze auf dem Soldatenfriedhof Innsbruck-Amras, März 2016.

Mitteilungen und Berichte des „Österreichischen Schwarzen Kreuzes“, September 1954.

Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Anzeige in „The New York Times“, Oktober 1999.

Mit diesen und ähnlichen Anzeigen wurde in amerikanischen Zeitungen gegen den schleppenden Fortgang der Verhandlungen zur Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiter protestiert. Geschaltet wurden die Anzeigen unter anderem von der jüdischen Organisation B’nai B’rith.

Quelle: ullstein bild (Reuters)

„Verzichtserklärungen“ im Antragsverfahren zum Erhalt einer Auszahlung, 2001 bis 2003.

Die gesetzlichen Regelungen zur Auszahlung an ehemalige Zwangsarbeiter schrieben vor, dass die Antragsteller auf jegliche weitere Rechtsansprüche gegen Deutschland, Österreich und Unternehmen in beiden Staaten verzichten. Wer die Erklärung nicht unterschrieb, erhielt keine Zahlung.

Quelle: Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

Der Umgang mit den Toten

Am Beispiel des Soldatenfriedhofs Innsbruck-Amras zeigt sich die unterschiedslose Behandlung von einheimischen Bombenopfern, von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und Soldaten als Kriegsopfer, aber auch von SS-Offizieren, deren Einheiten nachweislich am Massenmord in den besetzten sowjetischen Gebieten beteiligt gewesen waren. Sie sind nebeneinander bestattet, ihre Gräber sind unabhängig von der Todesursache einheitlich gestaltet.

Die Pflege der Soldatengräber übernahm das Österreichische Schwarze Kreuz. Nach dem Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 verpflichtete es sich außerdem, auch die Gräber von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern zu erhalten.

»Erwähnt sei, daß zwischen österreichischen Kriegsopfern und solchen anderer Staaten kein Unterschied gemacht wird. Alle Gräber werden in gleicher Weise gepflegt, auch die Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle.«

Mitteilungen und Berichte des Österreichischen Schwarzen Kreuzes, September 1954.

Der lange Weg zur Anerkennung

Eine Auseinandersetzung mit der Zwangsarbeit unterblieb in der ersten Nachkriegszeit. Forderungen ehemaliger Zwangsarbeiter, ihr Schicksal anzuerkennen und zu entschädigen, fanden kaum Gehör. Erst seit den 1970er beziehungsweise 1980er Jahren begannen Bürgerinitiativen in Deutschland und Österreich, die Geschichte der Zwangsarbeit in Erinnerung zu rufen.

Staat und Wirtschaft waren zur Anerkennung des Unrechts erst 60 Jahre nach Kriegsende bereit, nachdem ehemalige Zwangsarbeiter in den USA Sammelklagen gegen deutsche und österreichische Unternehmen angestrengt hatten. Zumindest deutschen Firmen drohten Ansehensverluste. Um Rechtssicherheit zu erlangen sowie aufgrund des zunehmenden
öffentlichen Drucks finanzierten Regierungen und Unternehmen in beiden Staaten Stiftungen, in Deutschland die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, in Österreich den „Versöhnungsfonds.“ Ihr Ziel war es ehemaligen Zwangsarbeitern humanitäre Zahlungen zukommen zu lassen.

Die meisten einstigen Zwangsarbeiter erlebten diese Anerkennung des erlittenen Unrechts nicht mehr. Sie waren bereits verstorben.